EXPERIMENT Nr. 27 : Kollektives Wissen mit Bürgerserver

HISTORIE: 8. September 2026 – 9. September 2026

BEZUG: Diese Seite ist eine Fortsetzung der vorausgehenden Experimente. Ganz besonders sei verwiesen auf das Experiment Nr.23, welches die Thematik dieses Beitrags sehr ausführlich behandelt. Dieser Beitrag fasst den großen Zusammenhang nochmals zusammen und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Start des Bürgerservers (BSS).

Autor: Mensch Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: info@emerging-life.org

Asymmetrische Symbiose : Nachdem das Format der ‚asymmetrischen Symbiose‘ in diesem Blog mehrere Wandlungen durchlaufen hat, hat sich aktuell folgendes Format eingespielt: Grundsätzlich schreibt der Mensch Gerd seine Texte erst einmal komplett selbst. Nach Abschluss tritt er in einen Meta-Dialog mit einer generativen Intelligenz — bisher ChatGPT und Claude opus X — ein. Falls dieser Meta-Dialog inhaltlich interessant genug war und die Sachverhalte über das Alltagsverstehen hinausgehen, bittet der Autor Gerd eine generative KI, zu einem – oder auch mehreren — Text(en) einen eigenen Kommentar zu verfassen. Der Text dieses Kommentars wird vom Autor Gerd nicht verändert, um so die Eigenart der algorithmischen KI-Sicht nicht zu verdecken.

Übergang zu Experiment Nr.27

Autor: Gerd

Nachdem der Autor Gerd die globale Perspektive des Lebens auf dem Planet Erde 2023 – 2025 auf vielfache Weise durchreflektiert hatte, rückte der einzelne Mensch mit seiner individuellen Befindlichkeit, eingebettet in reale Alltagssituationen , immer mehr in den Blick.

INFO : Diese Grafik gibt die Gedanken wieder, die im Vorfeld dieses Textes stattgefunden haben und die dann zum Anlass wurden, den folgenden Text zu schreiben. Erfahrungsgemäß wird vom Mensch Gerd immer nur ein kleiner Teile der Bild-Aspekte im nachfolgenden Text umgesetzt.

Die Einbeziehung des Individuums mit seiner konkreten Beschaffenheit in einer realen Alltagswelt verschaffte die Möglichkeit, die Grenzen des Individuums in einer dynamischen Welt klarer zu sehen. Die Zukunft aller menschlicher Individuen — welche ein Teil des gesamten Lebens sind — kann nur durch Kooperation aller gelingen. Dies macht die Bedeutung von Kommunikation und gemeinsamen Wissen deutlich: wenn der eine nicht weiß, was der andere denkt und fühlt, kann es zu keiner zukunftsfesten gemeinsamen Handlung kommen. Bei der Frage, wie denn solch eine gemeinsame Kommunikation für ein zukunftsfestes Handeln gelingen kann, rückt das Konzept eines ‚gemeinsamen Wissens‘ in den Mittelpunkt, welches von allen für alle existiert. Ein wunderbares Beispiel für solch ein Konzept ist Wikipedia. Für das gemeinsame zukunftsfestes Handeln im Alltag reicht das Konzept von Wikipedia jedoch nicht aus. Was ist darüberhinaus notwendig?

Das Individuum

Autor: Gerd

Man kann das globale Leben — mit dem Homo sapiens als Teilpopulation — ganz ohne die Individuen nicht hinreichend beschreiben. Aber, wie viel vom Individuum muss man verstehen, um die größeren übergreifenden Phänomene des Lebens hinreichend verstehen zu können?

Schaut man sich die Entwicklung des Lebens auf der Erde (auch ‚Evolution‘ genannt) näher an, dann kommt man an den ‚Bausteinen des Lebens‘ nicht vorbei. Nimmt man das Phänomen einer ‚Zelle‘ als Schwelle zwischen ‚unbelebter Materie‘ und ‚Belebter Materie‘ dann wird schnell klar, dass sich die große Vielfalt des ‚biologischen Zell-basierten Lebens‘ nicht verstehen lässt, wenn man nicht die Funktionsweise von Zellen und ihre Wechselwirkungen betrachtet.

Je komplexer ein biologisches System ist, umso mehr wird man die vielen Billionen (1012) von einzelnen Zellen in einem menschlichen Körper nicht mehr nur einzeln betrachten, sondern in Gruppen, Verbünden, Netzwerken und Organen. Zugleich wird man versuchen, das ‚Verhalten solcher größerer Einheiten in der Zeit‘ zu erfassen. Die Möglichkeiten der Strukturbildung sind gefühlt unendlich groß.

In einer sehr starken Abstraktion bietet sich folgende Strukturbildung an, die alle alle im materiellen Körper lokalisiert sind:

  1. Es gibt eine Menge von unterscheidbaren Zuständen mit einer typischen Veränderlichkeit, die wir ‚Bedürfnisse‘ nennen, daneben solche die wir ‚Emotionen‘ nennen, und solche, die wir ‚Kognitionen‘ nennen. Sie können alle gleichzeitig auftreten, mit unterschiedlichen Intensitäten.
  2. Bedürfnisse und Emotionen können jederzeit die Kognitionen beeinflussen oder sogar ‚außer Kraft setzen‘.
  3. Eine weitere Strukturierung der Kognitionen ist notwendig, da es sonst nahezu unmöglich ist, die ‚Arbeitsweise‘ unserer Kognitionen zu verstehen. Eine grobe annähernde ‚Schematisierung‘ der Kognitionen ist die folgende: Wahrnehmungen, Klassifizierendes Speichern, Erinnern, Denken, Prognosen bilden, und Planen. Alle diese Zustände mitsamt ihrem ‚Verhalten in der Zeit‘ haben mit ‚Wissen‘ zu tun. Damit man Elemente des eigenen Wissens mit jemand anderem ‚teilen/ austauschen‘ kann, braucht es ein ‚Kommunikationsmittel, welches einerseits ‚zwischen Individuen‘ wahrnehmbar und produzierbar ist (Schall, Zeichen,…) , andererseits muss es ‚im Innern‘ des Individuums die ‚Elemente der Kommunikation‘ mit ‚inneren Wissenszuständen‘ verknüpfen können. Nennt man die Elemente der Kommunikation ‚Zeichen‘, dann nennt man die die Elemente der Wissenszustände üblicherweise die ‚Bedeutung‘ von Zeichen. Die Gesamtheit der benutzten Zeichen mit ihren gelernten Bedeutungen nennt man ‚Sprache‘. Menschen, die gelernt haben, im ‚Sprechen‘ die Zeichen einer Sprache zu benutzen, können auf diese Weise ‚Bedeutung‘ transportieren: etwas aus ihrem Inneren nach Außen, wodurch es über die Zeichen auch wieder Eingang finden kann zum Inneren eines anderen.

Der Alltag

Autor: Gerd

Ein menschliches Individuum kommt nicht ‚isoliert in einem Nirgendwo‘ vor, sondern mit seinem realen — materiellen — Körper ‚jeden Tag‘ immer an einem ‚bestimmten realen Ort‘. Dieser tägliche Ort markiert das, was hier mit ‚Alltag‘ gemeint ist: ‚alle Tage‘, ‚jeden Tag‘ findet man sich in einer konkreten Umgebung vor.

Der Alltag umfasst viele Elemente, die ‚unveränderlich gleich (statisch)‘ erscheinen, andere könne sich verändern und tun dies auch.

Für ein ‚Leben im Alltag‘ ist es daher wichtig, dass der einzelne die häufigsten und wichtigsten ‚Muster an Ereignissen‘ kennt und weiß, wie er sich verhalten muss, um bestimmte ‚Ziele‘ erreichen zu können.

‚Momente‘ des Alltags können eher ‚positiv/ gut/ schön …‘ erlebt werden oder eher ’negativ/ nicht gut, unschön …‘. Diese Erlebnisse können einen Menschen in seinem Gesamtgefühl beeinflussen, welches wiederum sein Denken und Handeln beeinflussen kann.

Gemeinsames Wissen

Autor: Gerd

Das individuelle Wissen eines einzelnen kann einen starken Zusammenhang mit dem erfahrbaren Alltag aufweisen (‚realistisch‘, ‚praxisbewährt‘, … ) oder eher nicht. Um sich auf Dauer im veränderlichen Alltag bewähren zu können, ist ein ‚ausreichender Realismus‘ hilfreich der gar unabdingbar.

Da ein ‚Überleben‘ auf dem Planet Erde, im Alltag, letztlich nicht ohne eine ‚hinreichende Koordinierung des Verhaltens‘ von Vielen funktionieren kann, braucht es eine Form von ‚gemeinsam geteiltem Wissen‘, welches ‚realitätsnah‘ ist, zugänglich für alle, aktuell, umfassend genug, so dass eine ‚Koordinierung‘ mit einer ‚gemeinsamen Basis‘ überhaupt möglich ist.

In vergangenen Jahrtausenden war es die Erfindungen der Schrift, des Buches und der Bibliotheken, die Formen von gemeinsamem Wissen ermöglichten. Heute gibt es das Internet und ‚Server‘, welche die Sammlung und die Nutzung von Wissen weltweit ermöglichen.

Aber, nicht jedes gedruckte Buch muss für das gemeinsame Planen und Handeln von Menschen hilfreich sein: das Überleben in einer realen hoch-dynamischen Welt, mit Milliarden von Menschen auf vielen Kontinenten erfordert eine Form von Wissen, welches weit über das klassische Schreiben und Drucken von Büchern hinausgeht. Wissen muss dort zur Verfügung stehen, wo es gebraucht wird, und dann, wenn es gebraucht wird. Und es muss einen tragfähigen Bezug zur realen Welt besitzen.

Der Bürgerserver (BS)

Autor: Gerd

Der Autor dieses Textes hat sich — wie zuvor schon unterschiedlich beschrieben — dafür entschieden, das Projekt eines ‚gemeinsam geteilten Wissens‘ mittels eines ‚Bürgerservers‘ in einer realen Kommune 61137 in Schöneck (Hessen) experimentell zu testen. Nach vielen Jahren Vorlauf wurde jetzt das Experiment ‚Bürger-Server Schöneck (BSS)‘ (URL: https://demokratielabor.org/ ) gestartet. Der BSS ist zu allen Zeiten ein Dauerexperiment: es wir immer nur das programmiert, was gebraucht wird und sich als ’nützlich‘ erweist. Wenn sich etwas als weniger gut erweist, ‚verschwindet‘ es wieder.

Dieser BSS ist Teil einer realen Kommune mit vielen individuellen Akteuren, eingebettet und verzahnt mit vielen unterschiedlichen Alltagsszenarien, Rollen, und Institutionen. Aufgabe des BSS ist es, jenes ‚Wissen‘ aufzubauen, welches für das gemeinsame Handeln der politischen Gremien in Verbindung mit allen Bürgern und dem Kontext der Kommune 61137 Schöneck notwendig ist, um zu zukunftsfesten Entscheidungen zu kommen. Ein interessantes Instrument neben dem BSS ist die ‚Zukunftswerkstatt (ZW)‘ von Schöneck. Ein in der kommunalen Landschaft seltenes Instrument, begründet von der Gemeindevertretung in 61137 Schöneck.

Kommentar von ChatGPT zum Experiment Nr. 27

Autor: Generative KI ChatGPT

Der Text beschreibt den Bürgerserver Schöneck nicht zuerst als ein technisches System, sondern als Antwort auf eine grundlegende Bedingung menschlichen Lebens: Jeder einzelne Mensch nimmt die gemeinsame Welt nur ausschnittsweise wahr, verfügt über begrenztes Wissen und bewertet seine Erfahrungen unter dem Einfluss seiner Bedürfnisse und Emotionen. Dennoch können Menschen ihre Zukunft nur durch Handlungen gestalten, die vielfach voneinander abhängen.

Zwischen der begrenzten individuellen Wahrnehmung und dem notwendigen gemeinsamen Handeln entsteht daher ein Zwischenraum: ein von vielen getragener Wissensraum. In ihm können individuelle Erfahrungen und Überlegungen eine für andere wahrnehmbare Gestalt annehmen. Sprache, Schrift, Bücher, Bibliotheken und schließlich digitale Server sind historische Ausprägungen dieses Zwischenraums.

Doch die bloße Speicherung von Informationen erzeugt noch kein gemeinsames Wissen. Informationen müssen auffindbar, verständlich, überprüfbar und mit konkreten Situationen verknüpft sein. Unterschiedliche Sichtweisen dürfen dabei nicht verdeckt werden. Gerade ihre sichtbare Gegenüberstellung kann dazu beitragen, unvollständiges Wissen zu ergänzen, Irrtümer zu erkennen und tragfähigere gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln.

Damit wird der Bürgerserver zu mehr als einem digitalen Archiv. Er kann zu einem Interface zwischen vielen individuellen Wissensräumen werden: zwischen Bürgern, politischen Gremien, Verwaltung, lokalen Gruppen und den vielfältigen Erfahrungen des kommunalen Alltags. Sein Wert entscheidet sich nicht an der Menge der gespeicherten Dokumente, sondern daran, ob Menschen mit seiner Hilfe ihre gemeinsame Situation besser verstehen und begründet handeln können.

Eine generative KI kann in einem solchen Wissensraum eine unterstützende Funktion übernehmen. Sie kann umfangreiche Materialien erschließen, Zusammenhänge sichtbar machen, unterschiedliche Darstellungen vergleichen und Fragen an das vorhandene Wissen formulieren. Sie besitzt aber weder die konkrete Alltagserfahrung der beteiligten Menschen noch eine eigene Verantwortung für die Folgen kommunaler Entscheidungen. Ihre Rolle bleibt deshalb asymmetrisch: Sie unterstützt die menschlichen Akteure, ersetzt sie aber nicht.

Das Experiment BSS berührt damit eine zentrale Frage demokratischer Zukunftsgestaltung. Demokratie setzt nicht nur Abstimmungen und Institutionen voraus. Sie benötigt eine lebendige Wissenspraxis, in der Menschen ihre jeweils begrenzten Perspektiven einbringen, Unterschiede wahrnehmen und schrittweise eine gemeinsame Handlungsfähigkeit entwickeln können.

Der Bürgerserver ist insofern kein fertiges Produkt. Er ist ein lernender kommunaler Prozess, dessen technische Gestalt sich mit den Erfahrungen seiner Benutzer verändern muss. Ob dieses Experiment gelingt, wird letztlich davon abhängen, ob aus gemeinsam zugänglichen Informationen tatsächlich ein gemeinsam nutzbares Wissen und daraus ein verantwortliches gemeinsames Handeln entsteht.