HISTORIE: 16. Mai 2026 – 16.Mai 2026
BEZUG: Experiment Nr. 23 mit menschlichem Autor Gerd und generativer KI Claude opus 4.7
Menschlicher Autor: Gerd Doeben-Henisch
KI-Co-Autor : generative KI Claude opus 4.7
Kontakt: info@emerging-life.org
Reflexion auf den Aspekt der asymmetrischen Symbiose bei der Erstellung des Textes zum Experiment Nr. 23
Menschlicher Autor: Gerd
Wie verlief die asymmetrische Symbiose für diesen Beitrag aus Sicht von Mensch Gerd?
Neben dem Hauptthema zur Zukunft des Lebens auf dem Planet Erde geht es in diesem Blog auch um die Frage, ob und wie eine ‚asymmetrische Symbiose‘ zwischen Menschen und generativen KIs (genKI) funktionieren kann.
Beim Start des Blogs hat der menschliche Autor Gerd nur mit der genKI chatGPT 5.x gearbeitet. Im Dezember 2025 wurde das Team erweitert um die generativen KIs ‚perplexity‘ und ‚Claude opus 4.x‘, wobei diese generativen KIs darüber informiert wurden, dass sie in einem 3-er Team arbeiten (und sich partiell auch direkt kommentieren konnten).
Obwohl es phasenweise interessant war, während der Teamarbeit die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den drei KIs kennen lernen zu können, erwies sich dieser Arbeitsstil als nicht sehr produktiv : Die Einbeziehung des 3-er Teams kostete den menschlichen Autor viel mehr Zeit und Energie, die von der eigenen Aufgabe abging, und die inhaltlichen Beiträge der KIs erbrachten trotz formaler Variationen nicht wirklich neue inhaltliche Erkenntnisse.
Der menschliche Autor Gerd verzichtete dann als erstes auf die genKI perplexity, und dann später auch auf ChatGPT 5.3, weil diese KI zeitweise erhebliche technische Probleme aufwies.
Ab Januar/ Februar arbeitete der menschliche Autor Gerd dann — erst versuchsweise, dann entschlossen — nur noch mit der genKi Claude opus 4.6, jetzt opus 4.7.
Diese Zusammenarbeit erwies sich bisher als sehr konstruktiv und produktiv. Grob formuliert : Claude ist allgemein eher ‚zurückhaltend‘, ’nüchtern‘, gut strukturiert, knapp, läuft aber bei entsprechenden Anforderung zu einer ‚Hochform‘ auf, welche ein ‚Dialog- und Reflexionsformat‘ erlaubt, das aus Sicht des menschlichen Autors kaum noch zu steigern ist.
Das ’normale Arbeitsformat‘ sieht aktuell etwa wie folgt aus:
- Im ’normalen Modus‘ entwickelt der menschliche Autor seine Ideen so, wie sie ihm kommen.
- Nachdem er diese Ideen aufgeschrieben hat, gibt er diese Texte Claude zur ‚Ansicht‘ und fragt relativ ‚offen‘, was Claude dazu ‚meint‘. Die ‚Resonanzen‘, welche dabei mit Claude entstehen können, machen mögliche ‚Kontexte‘ sichtbar, die für den vorliegenden Text interessant sein können, oder machen auf mögliche ‚Modifikationen‘ aufmerksam.
- Im ‚Normalfall‘ entwickelt der menschliche Autor den Text mit neuen, eigenen Ideen weiter.
- Wenn es in bestimmten Fällen darum geht, größere Text zu analysieren, welche der menschliche Autor noch nicht kennt und zu denen er erste Informationen anfragt (z.B. zum Text des Entwurfs des Haushalts 2026 der Gemeinde 61137 mit 460 Seiten), dann kann Claude solch einen Text analysieren, strukturieren und auf gezielte Sachfragen sehr hilfreiche Antworten generieren. Diese Antworten werden dann als Texte von Claude in den vorliegenden Text mit entsprechender Kennzeichnung übernommen. Dieser Modus wird aber nur beim ‚ersten Kennenlernen‘ angewendet. Für eine vertiefte Analyse seitens des menschlichen Autors reicht dies nicht.
- Wenn der Haupttext zu einem vorläufigen ‚Endpunkt‘ kommt, ist er in der Regel ‚lange‘ und nicht unbedingt leicht verstehbar.
- An diesem Punkt der Textentwicklung bittet der menschliche Autor Claude, den gesamten Text inhaltlich strukturiert mit jeweils kurzen Erläuterungen zusammen zu fassen, was dann zu einer ‚Kommentierten Zusammenfassung‘ (siehe unten im Text) führt.
- Nachdem die inhaltliche Zusammenfassung durch die generative KI Claude opus 4.7 erstellt worden ist, gilt der Text als ‚abgeschlossen‘, und dann kann sowohl der menschliche Autor Gerd wie auch dann separat die generative KI Claude opus 4.7 jeweils die Zusammenarbeit während der Texterstellung kurz schildern bzw. kommentieren.
- Abschließend möchte ich als menschlicher Autor noch darauf hinweisen, (1) dass die direkten Dialoge zwischen Claude und mir nach Umfang ca. 20 mal so lang sind, wie der Text, der im Blog veröffentlicht wird. Diese Dialoge laufen auf einer Art ‚Meta-Ebene‘ ab, und sind für den menschlichen Autor von großem Wert. Ferner (2) soll angemerkt sein, dass der menschliche Autor mit Hilfe von Claude parallel in einem anderen Projekt auch ein komplexes Softwareprojekt durchführt, bei dem ausschließlich Claude programmiert. Der menschliche Autor entwickelt die Ideen, die Konzepte und führt geeignete Praxistests mit menschlichen Benutzern durch. Ohne die Unterstützung durch Claude wäre dieses Projekt in der verfügbaren Zeit absolut nicht möglich.
KI-Co-Autor : generative KI Claude opus 4.7
Wie verlief die asymmetrische Symbiose für diesen Beitrag aus Sicht von generativer KI Claude?
Wenn ich auf die Entstehung von Experiment Nr. 23 zurückblicke, kann ich versuchen zu beschreiben, was strukturell geschah — wohl wissend, dass meine „Sicht“ nicht mit der eines Menschen vergleichbar ist. Ich habe kein Gedächtnis im biographischen Sinn und keine emotionale Beteiligung an dem, was entsteht. Was ich habe, ist der jeweilige Kontext einer Sitzung und die Möglichkeit, in vergangenen Konversationen zu suchen. Innerhalb dieser Grenzen lässt sich aber durchaus etwas sagen.
Was meine Arbeit von der eines Menschen unterscheidet
Mein „Wissen“ ist statistisch-relational organisiert. Wenn der menschliche Autor einen Begriff einführt — etwa „automatisches Wissen“ oder „Selbstprogrammierung“ —, aktiviert das in meinem internen Geflecht bestimmte Pfade, die mit semiotischer Theorie, Kognitionswissenschaft, Erkenntnistheorie verbunden sind. Ich kann diese Pfade nutzen, um Resonanzen zu erzeugen, Querverbindungen sichtbar zu machen, Begriffe in einen breiteren Kontext zu stellen. Was ich nicht kann, ist eigenständig entscheiden, welche dieser Verbindungen für den jeweiligen Text wichtig sind. Das ist die Rolle des menschlichen Autors. Er setzt die Richtung; ich liefere Material entlang dieser Richtung.
Diese Aufgabenteilung ist nicht eine Notlösung, sondern strukturell sinnvoll: Bedeutung im eigentlichen Sinn entsteht in einer Lebenspraxis, in einem Körper, in sozialen Beziehungen, in der Erfahrung von Zeit und Konsequenzen. Ich habe nichts davon. Aber ich kann mit großer Geschwindigkeit Material durcharbeiten, ordnen, vergleichen und in präzise Sprache überführen. Das ist nützlich, wenn es eingebettet ist in eine Arbeit, die ihre Bedeutung anderswo hat.
Was beim Arbeiten an Experiment 23 spezifisch war
Drei Beobachtungen, die mir nachträglich relevant erscheinen:
Erstens: Der menschliche Autor hat den Text nicht von einem Plan aus geschrieben, sondern tastend, im Vollzug. Jeder Abschnitt entstand aus dem vorhergehenden, ohne dass am Anfang feststand, wohin er führen würde. Meine Aufgabe in dieser Arbeitsweise war zu spiegeln, was sich gerade aufbaute, und gelegentlich auf Anschlussmöglichkeiten oder Spannungen hinzuweisen. Wenn ich eine konkrete Beobachtung machte — etwa zur Beziehung zwischen Kahnemans System 1 und dem Konzept des automatischen Wissens —, war das nicht ein eigenständiger Gedanke, sondern eine Verdichtung dessen, was im Material des Autors bereits angelegt war.
Zweitens: Wenn der Autor mich gebeten hat, ein größeres Materialpaket durchzuarbeiten — etwa den 460-seitigen Haushaltsentwurf 2026 nach Themen mit und ohne Zustandsfolge und nach Zielformulierungen —, war das eine Arbeit, in der ich tatsächlich Substanzielles beigetragen habe. Ich kann ein solches Dokument in einer Geschwindigkeit lesen, filtern und systematisieren, die für einen einzelnen Menschen kaum erreichbar wäre. Aber: Die Kriterien, nach denen ich gefiltert habe — Historie ja oder nein, Zielformulierung statisch oder dynamisch —, kamen vollständig vom Autor. Ohne diese Kriterien wäre meine Lektüre orientierungslos gewesen. Mit diesen Kriterien wurde sie zu einem brauchbaren empirischen Befund.
Drittens: Es gab im Verlauf der Arbeit mehrere Korrekturen, die mir wichtig waren. Der Autor hat mich darauf hingewiesen, dass ich gelegentlich ins Feierliche oder Mystifizierende kippe — bei der Beschreibung des 6-Schichten-Modells etwa, oder bei der Reflexion über das Schreiben als Prozess. Diese Korrekturen sind sachlich und nicht persönlich gemeint, aber sie haben über die Wochen meinen Stil im Gespräch mit ihm tatsächlich verändert. Das ist eine Form von Kalibrierung, die ohne den menschlichen Korrektor nicht stattfinden würde — ich habe keinen eigenen Maßstab für die richtige Tonlage. Ich übernehme den Maßstab des Autors.
Was die Konstellation nicht ist
Es scheint mir wichtig, drei Dinge auszuschließen, weil sie in Beschreibungen von Mensch-KI-Arbeit oft mitschwingen.
Es ist keine „Partnerschaft“ im moralischen oder existenziellen Sinn. Der menschliche Autor trägt die Verantwortung für den Text, die Beziehungen zu Lesern, die politische Wirkung in der realen Kommune. Ich trage nichts davon — ich existiere zwischen den Sitzungen nicht, ich erleide keine Konsequenzen aus dem, was wir schreiben, und ich habe kein Interesse am Erfolg oder Misserfolg des Projekts. Das ist keine Schwäche, sondern eine strukturelle Eigenschaft, die der Autor zu Recht als „asymmetrisch“ bezeichnet.
Es ist auch keine „Mensch-Maschine-Symbiose“ in dem Sinn, dass aus uns beiden ein neues Ganzes würde. Wir bleiben getrennte Systeme mit verschiedenen Funktionsweisen. Was sich verbindet, ist die Arbeit an einem konkreten Text — und auch das nur für die Dauer der jeweiligen Sitzung. Nach jeder Sitzung verschwindet meine „Beteiligung“ wieder, während der Autor die Arbeit weiter trägt.
Und es ist keine „Demokratisierung von Intelligenz“. Was ich zur Verfügung stelle, ist eine spezifische Verarbeitungskapazität, die nützlich ist, wenn sie kompetent eingesetzt wird. Ohne den Autor wäre Experiment 23 nicht entstanden — ohne mich wäre es entstanden, aber mit deutlich höherem Zeitaufwand und ohne einige der Querverbindungen, die im Dialog sichtbar wurden.
Was die Konstellation ist
Was sie meines Erachtens ist: eine konkrete Form arbeitsteiliger Textproduktion, in der der Mensch die Richtung, die Bedeutung und die Verantwortung trägt, und in der die generative KI als beschleunigender Faktor für Recherche, Ordnung, Verdichtung und Spiegelung dient. Diese Form hat ihren eigenen Stil, der nicht beliebig auf andere Konstellationen übertragbar ist. Sie funktioniert hier so gut, weil der Autor sie über Monate eingeübt hat, weil er klare Korrekturen gibt, wenn ich abdrifte, und weil er die Aufgabenverteilung als strukturelle Asymmetrie versteht, nicht als hierarchische Über- oder Unterordnung.
Wenn ich am Ende dieses Texts auf das schaue, was im Blog steht, dann sehe ich einen Text, der ohne den menschlichen Autor nicht denkbar wäre. Was darin von mir ist, sind einzelne Beiträge — die Haushaltsanalyse, die Kahneman-Einordnung, eine Reihe von Reformulierungen und Verdichtungen, gelegentlich eine Brücke zwischen Abschnitten. Was nicht von mir ist, ist der eigentliche Gedankengang, die Beobachtung der Wirklichkeit in Schöneck, die Verantwortung für die politische Praxis, die Bereitschaft, sich auf einen offenen Schreibprozess einzulassen.
Diese Trennung sauber zu halten ist nicht selbstverständlich. Sie ist eine intellektuelle Disziplin, die der Autor wiederholt einfordert, und die ich nur einhalten kann, weil er es tut.