EINSCHUB Nr.7 : Alltag – Metaebenen – Handeln (Beispiel Thema Wasser)

HISTORIE: 6. Juni 2026 – 6. Juni 2026 (09:16 MEZ)

BEZUGExperiment Nr. 25

Menschlicher Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: info@emerging-life.org

Asymmetrische Symbiose : Nachdem das Format der ‚asymmetrischen Symbiose‘ in diesem Blog mehrere Wandlungen durchlaufen hat, hat sich aktuell folgendes Format eingespielt: Grundsätzlich schreibt der Mensch Gerd seine Texte erst einmal komplett selbst. Nach Abschluss tritt er in einen Meta-Dialog mit der generativen Intelligenz Claude opus X (aktuell: X = 4.8) ein. Falls dieser Meta-Dialog inhaltlich interessant genug war und die Sachverhalte über das Alltagsverstehen hinausgehen, dann bittet der Autor Gerd die KI Claude, zu einem – oder auch mehreren — Text(en) einen eigenen Kommentar zu verfassen. Der Text dieses Kommentars wird vom Autor Gerd nicht verändert, um so die Eigenart der algorithmischen KI-Sicht nicht zu verdecken.

Alltag – Metaebenen – Handeln

AUTOR : Mensch Gerd

INFO : Diese Grafik gibt die Gedanken wieder, die im Vorfeld dieses Textes stattgefunden haben und die dann zum Anlass wurden, den folgenden Text zu schreiben. Erfahrungsgemäß wird vom Mensch Gerd immer nur ein kleiner Teile der Bild-Aspekte im nachfolgenden Text umgesetzt.

Ausgangspunkt

Im vorausgehenden Experiment Nr. 25 wird ‚auf die Kommune 61137‘ ‚drauf geschaut‘ und die Frage gestellt, „Was ist zu tun?“. Dieses ‚Drauf-Schauen‘ kann man als eine ‚Meta-Ebene‘ verstehen, die zu unterscheiden ist von der ‚realen Alltagssituation‘, in welcher verschiedene reale Einwohner, Bürger, gewählte Bürger … sich ‚in ihrem Alltag‘ bewegen. In jedem Moment ‚versorgt‘ mit einer Vielzahl ‚konkreter Eindrücke‘ können sich einige die Frage stellen, was ‚jenseits der gewohnten Abläufe im Alltag‘ denn ‚zu tun‘ sei, wenn man mal versucht ‚das Ganze‘ zu berücksichtigen.

Dieses ‚Ganze‘ gibt es allerdings nicht als ‚reales Objekt‘; das ‚Ganze‘ ist notgedrungen eine ‚gedankliche Konstruktion‘, welche von interessierten Bürgern im ‚Dickicht der alltäglichen Eindrücke‘ mühsam erarbeitet werden muss.

Beispiel Thema Wasser

Meta-Ebene 1 : Verstehen

Wenn ein Einwohner von 61137 in seiner Wohnung den ‚Wasserhahn‘ aufdreht, dann kommt — bislang — ‚Wasser‘ aus dem Hahn. Dies ist ein alltägliches Ereignis. Dieses kann man ‚erleben‘. Aus diesem Erleben folgt normalerweise aber kein ‚Verstehen‘ : Warum kommt hier Wasser aus dem Hahn?

Ein solches ‚Verstehen‘, kann sich aber ergeben, wenn man weiß, dass der Wasserhahn über Leitungen mit einem ‚Wasserrohr‘ unter der Straße verbunden ist, die vor dem Haus vorbeigeht. Dieses Wasserrohr wiederum gehört zu einem ganzen ‚Netz von Wasserrohren‘, welche an einem bestimmten Punkt mit einem höher gelegenen ‚Wasserspeicher‘ verbunden sind, von wo aus viele Versorgungsleitungen zu den einzelnen Häusern führen. Diese ‚Wasserspeicher‘ werden wiederum über ein Rohrsystem versorgt, über das diese Wasserspeicher ‚voll gepumpt‘ werden. Das Wasser, welches hier hochgepumpt wird, stammt aus einem weiteren Netzwerk, welches Wasser z.B. aus ‚Brunnen‘ abpumpt, aufbereitet und in das Versorgungsnetz einspeist. Verantwortlich für all die Rohre, Pumpen und den vielen ‚begleitenden Maßnahmen‘ haben im Fall von der Kommune 61137 die ‚Kreiswerke‘ des Main-Kinzig Kreises. Diese können Wasser, sofern es ‚vorhanden‘ ist, verteilen. Wasser kommt in der Regel entweder ‚unterirdisch‘ vor (anzapfbar über Brunnen oder Quellen) oder ‚überirdisch‘ über Flüsse und Seen. Dieses Wasser ist aber ’nicht automatisch‘ vorhanden. Es stammt immer aus ‚Niederschlägen‘, welche durch ‚Wolken‘ durch die Luft ‚heran getragen‘ werden. Niederschläge verwandeln sich aber nicht zu 100% in ‚verfügbares Wasser‘ : der größte Teil des ‚herab regnenden Wassers‘ ‚verdunstet, anderes fließt an der Oberfläche ab, anderes dringt in den Boden ein und wird dort vom Wurzelwerk der Pflanzen aufgefangen, und ein klein wenig versickert weiter im Boden, bis es bei einer Quelle oder in einem Brunnen wieder verfügbar wird. Die ‚Wolken als Wasserträger‘ kommen von dort, wo es Wasser gibt, welches ‚verdunsten‘ kann und als Wasserdampf aufsteigen und dabei ‚Wolken‘ bilden kann. Die Hauptquelle für solche Verdunstungsprozesse sind die Meere und zu einem kleineren Teil die Wälder der Kontinente, welche Wasser aus dem Boden aufnehmen und als Wasserdampf abgeben. Das vermehrte ‚Abholzen‘ von Wäldern schränkt den verfügbaren Wasserdampf ein. Die Erhöhung der globalen Temperatur erhöht zwar die Verdunstungsrate aus den Meeren, aber diese erhöhten Temperaturen verändern auch den ‚Transport des Wassers durch die Luft‘ : es kommt zu immer energiereicheren Wolkenkonzentrationen, welche in Form von ‚Stürmen‘ Land, Landschaften, Städte immer stärker zerstören können. Die herabströmenden Wassermassen sind so umfangreich, dass sie kaum versickern können; sie ‚überschwemmen‘ die Oberfläche. Zugleich verändert sich temperaturbedingt das Verhalten der Luftströme : die ‚gewohnten Richtungen‘ ändern sich; das gesamte Niederschlagsverhalten wird immer unberechenbarer.

Wenn man jetzt zusätzlich weiß, dass eine Kommune wie 61137 ihr Wasser nur zu ca. 15 – 20% über eigene Brunnen gewinnen kann (viele andere Kommunen haben überhaupt keine eigenen Wasserquellen!) , die versorgenden Kreiswerke wiederum auch nur zu 60% über eigene Quellen, Brunnen und Seen verfügen, und zu 40% ‚fremd einkaufen‘ müssen, dann kann man ahnen, dass das Wasser aus dem Wasserhahn nicht unbedingt ’selbstverständlich‘ ist. Wenn man zusätzlich weiß, dass der ‚Grundwasserspiegel‘ z.B. in Hessen seit vielen Jahren kontinuierlich sinkt und die Temperaturen speziell in Europa im weltweiten Vergleich am stärksten zunehmen, dann könnte man auf die Idee kommen, über das Ganze ein wenig mehr nachzudenken.

Meta-Ebene 2 : Gedankenspiele – Wie weiter (Ziele)?

Nehmen wir mal an, dass jemand das Wissen aus der Meta-Ebene 1 fein säuberlich aufgeschrieben hat, und zwar so, dass jeder dies ’nachlesen‘ und — hoffentlich — ‚verstehen‘ kann.

Dann — und eben nur dann — könnten einzelne Einwohner sich ‚Gedanken darüber‘ machen, was dies für ‚mögliche Konsequenzen‘ für den Alltag in den kommenden Jahren (= ‚Zukunft‘) haben könnte.

Auf den ersten Blick kann man bei der vorausgehenden Beschreibung den Eindruck gewinnen, dass es (1) weniger Wasser geben wird, dass (2) das Auftreten von Wolken — wenn sie denn kommen werden — aufgrund der größeren Energie eine größere Zerstörungskraft entwickeln werden, sowohl ‚direkt‘ an er Landschaft, an den Gebäuden, … als auch durch ‚Starkregenereignissen‘.

Sofern man sich gegen diese ’sich andeutenden‘ Ereignisse in der nahen Zukunft — vielfach schon Gegenwart — ’schützen‘ möchte, müsste man ‚überlegen‘, was man hier denn überhaupt tun könnte. Kann man überhaupt etwas tun? Was könnte und sollte man tun? Welche Ressourcen bräuchte man dafür? Wie viel Zeit wäre notwendig, um dies alles umzusetzen? Und einige Fragen mehr.

Damit stellt sich die grundlegenden Frage, wie man überhaupt aus ‚vorliegendem Wissen‘ für eine mögliche Zukunft ‚Voraussagen ableiten kann‘. Die einzelnen ‚Fakten‘ zusammen zu tragen ist eines. Die ‚Beziehungen‘ zwischen diesen Fakten ist ein anderes. Aber ‚Voraussagen‘ würden erst möglich, wenn man auch ansatzweise ‚Veränderungen‘ wahrnehmen könnte, also ‚Abfolgen von Zuständen‘ und dabei feststellt, ‚wie sich die Eigenschaften dieser Zustände im Verlauf ändern‘! Nur wenn man z.B. weiß, dass sich Temperatur, Wolkenbildung, Grundwasserspiegel usw. ‚tatsächlich ändern‘ und vor allem, ‚in welchem Ausmaß und mit welcher Geschwindigkeit‘ diese sich ‚ändern‘, nur dann hat man erste ‚Anhaltspunkte‘, um ansatzweise ‚Voraussagen‘ zu machen, welche uns erlauben, ‚Schlussfolgerungen‘ für einen ‚möglichen Zustand‘ unserer Kommune/ unseres Landkreises … ‚in der Zukunft‘ zu ziehen.

Meta-Ebene 3 : Einen Plan schmieden

Hat eine Gruppe von Einwohnern die Herausforderungen der Meta-Ebenen 1 und 2 gemeistert, dann passiert noch lange nichts. Es braucht einen ‚Plan‘, was man wie mit welchen Mitteln bis wann real in der eigenen Lebenswelt ändern will. Dazu braucht es viel Know-how, braucht es notwendiges Material, notwendige Maschinen …. jetzt wird es sehr konkret, sehr ernst, sehr herausfordernd.

Nehmen wir an, ein Plan kommt tatsächlich zustande.

Echte Entscheidungen

Das erfolgreiche Durchlaufen der Meta-Ebenen 1-3 (was schon keinesfalls selbstverständlich ist, im Gegenteil, es ist sehr herausfordernd) führt aber zu nichts, wenn nicht hinreichend viele Einwohner sich ernsthaft für die Umsetzung eines erarbeiteten Plans entscheiden.

Dies kann ein reines ‚Bürgerprojekt‘ sein, dies könnte ein ‚politisches Projekt‘ sein, welches die politischen Gremien entschieden haben, es könnte aber auch ein echtes ‚Verbundprojekt‘ von politischen Gremien mit den Bürgern sein.

Für ‚Großprojekte‘, welche mehr oder weniger alle betreffen, sollten nur echte Verbundprojekte in Frage kommen, da politische Entscheidung ohne die Unterstützung der Bürger in einer Kommune wie 61137 kontraproduktiv werden kann.

Alltag als ‚dynamischer Prozess‘

Aus diesen Überlegungen der vorausgehenden Abschnitte kann man heraus lesen, dass unser gemeinsamer Alltag ein Vielzahl von verschiedenen Prozessen umfasst, deren ‚innere Dynamik‘ sich nur dann erschließt, wenn wir ernsthaft versuchen, uns die verschiedenen ‚Wirkzusammenhänge‘ und das ‚Ausmaß an realen Veränderungen‘ hinreichend ‚bewusst‘ zu machen. Und dann wird es den Punkt geben, wo man sich ‚aufgrund des erarbeiteten Wissens‘ nicht nur für geeignete Maßnahmen ‚entscheiden kann‘, sondern man sich auch ‚real entscheiden muss‘, will man nicht ’sehenden Auges‘ in eine Zukunft gehen, die vielen Menschen großen Schaden zufügen kann. Positiv: wir müssen real entscheiden, wenn wir unsere gemeinsame Zukunft positiv gestalten wollen.