EXPERIMENT Nr.22 : Kommune – Schwachstelle Bürgerkommunikation; Medium DL-SW

HISTORIE: 24.März 2026 – 24.März 2026

BEZUG: Diese Seite ist eine Fortsetzung der Experiment Nr.19 – 21 und von Einschub Nr.4

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Reflexions-Einschübe in Diskussion mit:  diesmal keine Einschübe.

Verwendetes ProtokollEINSCHUB Nr.3 – Neues Protokoll für die asymmetrische Mensch-KI Symbiose (hier modifiziert als ‚offener Dialogprozesse‘ : Mensch Gerd schreibt etwas und generative KI erzeugt eine Resonanz, gesteuert durch ‚offene‘ Fragen. Eine ‚offene Frage‘ deutet eine Richtung an, überlässt aber der generativen KI die konkrete Ausgestaltung.)

Kontakt: info@emerging-life.org

ÜBERGANG von Experiment Nr.21 zu Experiment Nr.22

Autor : Mensch Gerd

Im Experiment Nr. 21 wurde das Konzept des ‚universellen Selbst Prozesses (USP)‘ herunter gebrochen bis auf die Ebene einer konkreten Kommune, hier im Bundesland Hessen (Deutschland). Diejenige gesellschaftliche Institution, in welcher die ‚Organisation der Macht‘ in einer Kommune ‚konzentriert‘ wird, ist nach der ‚Hessischen Gemeindeordnung (HGO)‘ die ‚Gemeindevertretung (GV)‘, bildhaft ausgedrückt das ‚kommunale Parlament‘.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung werden periodisch alle 5 Jahre neu gewählt. Innerhalb dieser 5 Jahre — während der ‚Legislaturperiode‘ — sind die gewählten Vertreter nach dem Grundgesetz ‚unabhängig‘ vom Bürger : sie sollen sich zwar für das ‚Wohl aller Bürger‘ einsetzen, aber sie sollen sich nicht von der Meinung und den Interessen einzelner abhängig machen. Diese Sicht hat das Potential für einen ’systemischen Konflikt‘.

Die ‚Umsetzung der Macht‘ konzentriert in der Gemeindevertretung geschieht nach einem festgelegten Verfahren, welches sich im Ereignis einer ‚Sitzung der Gemeindevertretung‘ kristallisiert: die einzelnen Mitglieder der Gemeindevertretung — normalerweise organisiert nach ‚Fraktionen‘ — können ‚Anträge‘ auf Maßnahmen stellen, die nach einer ‚Abstimmung‘ in der Gemeindevertretung für die Gemeinde ‚verpflichtend‘ sind.

In Experiment Nr. 21 wurde zudem kurz angedeutet, wie man diese Rolle der Gemeindevertretung mittels einer Software (SW) quasi ’nachbauen‘ kann. Im Rahmen eines ‚Demokratie-Labors (DL)‘ können dann beliebige Bürger — auch die gewählten Gemeindevertreter! — die Software nutzen, um verschiedene Antragsideen zu ‚Testen‘ oder einfach nur, um mittels dieser SW das Instrument Gemeindevertretung ‚Kennen zulernen‘.

Offen bleibt noch die Frage, ob und wie die Mitglieder der Gemeindevertretung das ‚Wohl aller Bürger‘ und der ‚der Kommune insgesamt‘ hinreichend gut ‚im Blick‘ haben können und dazu auch über die ’notwendige Erfahrung‘ und das ’notwendige Wissen‘ verfügen, so dass sie ‚bestmöglichst‘ jene Maßnahmen identifizieren und umsetzen können, die dieses ‚Wohl der Bürger und der Gemeinde‘ Wirklichkeit werden lassen.

Schwachstelle Bürgerkommunikation

Autor : Mensch Gerd

INFO : Diese Grafik gibt die Gedanken wieder, die im Vorfeld dieses Textes stattgefunden haben und die dann zum Anlass wurden, den folgenden Text zu schreiben. Erfahrungsgemäß wird vom Mensch Gerd immer nur ein kleiner Teile der Bild-Aspekte im nachfolgenden Text umgesetzt.

Die formal saubere Aufteilung von ‚Machtorganisation‘ in der Gemeindevertretung und periodische ‚Wahlen‘ zur ‚Delegierung von Bürgern durch Bürger‘ ist zur ‚demokratischen Gewohnheit‘ geworden. Doch diese Gewohnheiten sind seit einigen Jahren gefährdet.

Die Zunahme von ’scheinbar ungelösten Problemen‘ auf allen Ebenen, die Zunahme der ‚Komplexität‘ der Gesellschaft — national wie international –, die Verwandlung der für eine Demokratie ‚lebenswichtigen Öffentlichkeit‘ in eine Vielzahl von ‚Kanälen‘, die ungleiche, ja konträre Weltsichten anbieten, erwecken bei immer mehr Menschen den Eindruck, dass die aktuellen gewählten Vertreter ‚überfordert‘ sind. Das ‚gewohnte Vertrauen‘ bekommt immer mehr ‚Risse‘, welches Fragen aufwirft wie „Sind die gewählten Vertreter wirklich noch unsere Vertreter?“ „Verstehen sie uns noch?“

Die bislang geübte Praxis, eine aktive Teilnahme von Bürgern an den laufenden Prozessen auszuschließen, erweist sich in solch einer Situation zunehmend als Problem. Die Versuchung für Politiker, in solch einer Situation auf ‚Populismus‘ umzuschalten, ist groß. Ein ‚Populist‘ knüpft gezielt bei den ‚Ängsten‘ der Bürger an und erzählt ihnen in einfach klingenden verführerischen Formulierungen von möglichen Lösungen, die gerne angenommen werden; komplexes Wissen und Differenzierungen haben hier wenig Chancen. Die ‚plakative Charakterisierung von den Bösen‘, welche man für die Probleme verantwortlich macht, greift direkt an den Emotionen an; ein differenziertes Nachdenken würde diesen Prozess einer ‚Emotionalisierung‘ nur stören. Populistischen Kommunikationsformen waren in der Vergangenheit immer geeignete Mittel, um zu mehr Autokratie und Diktatur hinzuführen.

Wer als gewählter Vertreter Populismus ablehnt, der steht vor der Herausforderung, solch eine Kommunikation mit Bürgern zu praktizieren, die nicht nur sachgerecht ist, sondern für Bürger — im Zeitalter mobiler Kommunikation — jederzeit und überall möglich ist : das Handy nehmen, eine Adresse eingeben, und dann muss Kommunikation möglich sein.

Würde man im Konzept des Demokratie-Labors mit seiner Softwareumsetzung eine mögliche Schnittstelle für solch eine lebensnahe Bürgerkommunikation sehen, dann könnte jeder Bürger jederzeit sowohl mit seinen Gemeindevertretern kommunizieren wie auch sich aktiv am Antragsgeschehen beteiligen. Die ‚finale Entscheidungen‘ im Rahmen der Abstimmungsprozesse müssten immer noch die gewählten Vertreter fällen, aber aufgrund einer lebendigen Kommunikation mit den Bürgern könnten sie ihre Erfahrungs- und Wissensbasis für die Ausarbeitung der Anträge konstruktiv erweitern und nutzen.

Die konkrete Form dieser Kommunikation ist bewusst noch nicht festgelegt, weil sie letztlich nur im Zusammenspiel mit den Beteiligten entstehen kann. Die Software des Demokratie-Labors wird in der nächsten Version eine explizite Schnittstelle für solch eine Kommunikation vorsehen, die genau Ausgestaltung werden wir aber erst im weiteren Verlauf im Gespräch mit den Bürgern selbst gestalten.

Da auch die Bürger nur über ‚endliches Wissen‘ verfügen und die Zukunft genauso wenig voraussehen können wie die gewählten Vertreter, darf man von einer lebendigen Bürgerkommunikation allerdings keine Wunderdinge erwarten. Immerhin kann der Austausch offensichtliche Fehler eher verkleinern und — das Wichtigste — das wechselseitige Vertrauen kann deutlich zunehmen. Wer den ‚Hauch der realen Prozesse‘ verspüren und einen Eindruck von der ‚Ernsthaftigkeit‘ der gewählten Vertreter bekommen kann, der wird eher geneigt sein, den gewählten Vertreter der Gemeindevertretung zu ‚vertrauen‘.

Eine immer allgegenwärtige große Unbekannte bei all diesen Prozessen sind die ‚Bedürfnisse‘ der einzelnen oder ganzer Gruppen sowie die unterschiedlichen ‚Emotionen‘, gepaart mit spezifischen ‚Anschauungen‘ zur Sache. Der formale Machtprozess, seine maximale Transparenz und auch eine sehr lebendige Bürgerkommunikation kann nicht ausschließen, dass es Bürger gibt, die dies alles trotzdem ablehnen und sich gegen vieles oder gar alles entscheiden, was von einer Gemeindevertretung kommt. Dies ist der Preis dafür, dass wir als Menschen real ‚frei‘ sind. Jeder Mensch kann sich jederzeit ‚dafür‘ oder ‚dagegen entscheiden‘. Dies ist etwas, was uns Menschen auszeichnet.